Zum Thema „Lügenpresse“


Ein paar Gedanken…

Lügenpresse.
Das Unwort des Jahres 2014 geht momentan durch alle Munde.

Aber mal die Frage in den Raum gestellt – sind unsere Medien wirklich alle gekauft und manipuliert?

An manchen Stellen beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz finde ich. Wenn ich mir Kommentare zu diesen Artikeln durchlese und auf die Nachfrage, wo denn die Beweise für Manipulationen sind, Sachen wie „das liest man doch überall“ oder „ich beobachte das schon seit langem“ lese, frage ich mich schon … Aha, die Beweise sind als Beobachtungen, die die Leute aus der „Lügenpresse“ selbst entnommen haben. Genau aus dem Medium, das ja angeblich lügt.

Darf man das dann als Beweis nehmen? Oder gibt es Medien, die nicht lügen und die Wahrheit kennen? Treffen sich die Chefs aller Medien zu jedem Artikel und diskutieren über Vertuschung und Manipulation? Steht da der Geldkoffer schon auf dem Tisch? Eine Verschwörung im ganz grossen Stil?

Ich finde das ein sehr schwieriges Thema. Zum einen, weil ich selbst nicht „hinter den Kulissen stehe“ und mitbekomme was da gesprochen wird (ich spreche jetzt von Redaktionskonferenzen und ähnlichem), ich bin also das Ende der Kette – zum anderen, weil ich natürlich auch die Medienlandschaft kritisch betrachte und den Wahrheitsgehalt rauszufiltern versuche. Soweit mir das mit meinen Mitteln überhaupt möglich ist.

Aber pauschal alle Medien als „Lügenpresse“ zu bezeichnen, halte ich für falsch und auch gefährlich!

Im Vergleich zu anderen Ländern, die nur ein einziges Presse-Medium haben, sind unsere Medien doch noch relativ frei denke ich. Noch darf in diesem Land jeder das sagen was er/sie möchte (was man an Pegida zB. sehr schön sehen kann). Natürlich sind auch Presseartikel in eine bestimmte Richtung „eingefärbt“. Das ist aber doch normal. Immerhin stand hinter dem Artikel eine Person mit einer Meinung. Wenn ich zB. gegen TTIP bin, dann wird man von mir vermutlich keinen Artikel lesen können, der TTIP gutheisst. Aber vielleicht würde ich ja dazu gezwungen werden einen positiven Bericht zu schreiben.

Gefährlich halte ich an dieser Aussage eines – wenn ich die Presse pauschal als „Lügenpresse“ tituliere, dann nehm ich mir meine eigene Sicherheit. Denn ich muss ja hinter jedem Artikel eine Verschwörung wittern. Ich muss hinter jedem Bericht eine Manipulation vermuten. Im Endeffekt stehe ich als völlig paranoid da und bilde mir eine Meinung auf Grund von Angst und Unsicherheit. Viele werden jetzt sagen – aber das ist doch genau der Sinn dahinter. Das ich in Angst und Unsicherheit lebe. Und wieder hänge ich in der Luft und weiss nicht was wahr und was unwahr ist. Eine sehr perfide Strategie und ein Kreislauf aus dem ich nicht ausbrechen kann!

Und da liegt der Casus Knaxus … wir sollten aus diesem Kreislauf der Unsicherheit ausbrechen und uns unsere eigene Meinung bilden! Ich bin weder gezwungen das zu glauben was ich in der Presse lese, noch der anderen Seite, die sagt das ich manipuliert werde. Gesunder Menschenverstand, Nachdenken und Bildung … da ist für mich der richtige Weg, um sich eine Meinung bilden zu können.

Aber vielleicht bin ich jetzt auch nur der grossen Verschwörung auf den Leim gegangen und lebe in einer Scheinwelt… Rote oder blaue Pille?

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